Gulfhäuser prägen die historische Kulturlandschaft der ostfriesischen Halbinsel eindrucksvoll. Die Backsteinbauten mit ihren riesigen Dachflächen gehören bis heute zur Region und zeugen davon, dass Leben und Wirtschaften über Jahrhunderte miteinander verwoben waren. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat jedoch dazu geführt, dass viele Höfe aufgegeben wurden. Leerstand, Verfall und unsensible Umbauten gefährden die charakteristische Substanz. Doch gerade die Umnutzung bietet Perspektiven für den Fortbestand des Gulfhauses und positive Beispiele lassen hoffen. In 2026 wurde das Gulfhaus zum „Bauernhaus des Jahres“ gekürt! Der Monumentendienst lädt daher ein, sich über die „Kathedralen bäuerlicher Baukultur“, ihre Nutzung und Erhaltung zu informieren.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos! Es wird aber darum gebeten, sich anzumelden, da die Plätze begrenzt sind. Anmeldungen unter Mail: kontakt@monumentendienst.de oder Tel: 04435 9702424
Referent, Hermann Schiefer, zeigt in seinem Vortrag „Arbeiten und Wohnen auf dem Gulfhof – Einblicke
in frühere Zeiten“ anhand historischer Aufnahmen von 1900 bis 1960, wie die Lebenswelten auf den ostfriesischen Höfen vor der Industrialisierung in der Nachkriegszeit aussahen. Aus heutiger Sicht erscheint diese Zeit dem 18. und 19. Jahrhundert näher als unsere Zeit. Die stolze bäuerliche Landwirtschaft mit Viehmärkten, Selbstversorgung und harter Knochenarbeit löste sich innerhalb weniger Jahrzehnte fast geräuschlos auf. Ältere Generationen haben diese Zeit noch miterlebt, daher dürfte der Vortrag auch einige Erinnerungen wecken.
Die Emder Architektin, Luise Fauerbach-Geiken, zeigt den Besuchern in ihrem Vortrag „Alte Seele, neue Nutzung – 3 Beispiele für modernes Leben in Gulfhöfen“ wie heutiges Leben auf einem Gulfhof aussehen kann und welche spannenden Umnutzungskonzepte eindrucksvoll umgesetzt wurden.
Kay Neuling, Restaurator und Inspektor beim Monumentendienst, widmet sich in seinem Vortrag „Monumentendienst – Wegbegleiter für den Erhalt der Gulfhöfe“ den konstruktiven Besonderheiten von Gulfhäusern und dem praktischen Umgang bei der Erhaltung von Gulfhäusern.
Bernd Wittrock, Unternehmer aus dem Emsland, stellt in seinem Kurzvortrag das Projekt “Dorfquartier im Dorf” vor. Das Unternehmerehepaar Maria und Bernd Wittrock haben in Brual, im Emsland, aus einem Gulfhof einen interessanten Ort für solidarisches, zukunftsorientiertes Wohnen und gemeinschaftliche Nutzung entwickelt.
Schon ab 16 Uhr und nach den Vorträgen gibt es interessante Besichtigungsmöglichkeiten.
Am Veranstaltungsort, in der Kunstscheune Gess wird die Ausstellung Kunstgezeiten “ ”Zwischenwelten" zu sehen sein.
Im gegenüberliegenden Steinhaus des Monumentendienstes kann man das Lager für historische Baustoffe besichtigen und sich über Dämmmaterialien und Mörtel informieren. Darüber hinaus wird das Projekt Wittrock ausgestellt.